Bogenbau seit 1988

Musik spannt den
Bogen über Generationen

Man sagt, Musik drücke aus, was durch Worte häufig nicht gesagt werden könne. Und worüber zu schweigen doch unmöglich sei. So wurde Musik zu einer Form der Kommunikation, in der Musiker und ihre Instrumente seit Menschengedenken die Verständigung und das Verständnis zwischen Volk und Völkern prägten. Und zu einer Welt, in der seit jeher gilt:

Der Ton macht die Musik. Und der Bogen den Ton…

Aus der Wiege des Instrumentenbaus

Bereits mein Großvater Oskar Seifert widmete sich der Kunst des Bogenbauens 1932 im Böhmisch-Sächsischen Musikwinkel, dem globalen Zentrum des Musikinstrumentenbaus. Nach der Übersiedlung nach Bubenreuth bei Erlangen gründeten mein Vater Lothar Seifert mit Großvater Oskar 1950 eine neue Werkstätte für Bogenbau in Bubenreuth. Geboren in Erlangen und aufgewachsen in der Geigenbausiedlung Bubenreuth Mozartstraße 13 – Wohnung, Werkstatt, Holzlager und Musikzimmer waren von nun an in einem Haus untergebracht.

Es sind bekanntlich die sinnlichen Eindrücke, die nachhaltig wirken. So war es nur naheliegend, dass ich bei dem Klang von Musik und Werkzeug, beim Duft von Holz, Harz, Haar und Lack im frühen Alter von 12 Jahren bereits meinen ersten Bogen unter Anleitung meines Großvaters Oskar baute.

Die weiteren Stationen meines Werdegangs sind lang und intensiv, aber kurz und schnell erzählt: Wirtschaftsschule, eine Lehre als Bogenmacher in der väterlichen Werkstatt, und 1981 dann die Gesellenprüfung mit Auszeichnung. Fachtheoretische Kenntnisse sowie Einblick in den Geigenbau und Restauration erhielt ich während meiner Berufsschulzeit in Mittenwald.

Gesellenjahre sind bekanntlich keine Meisterjahre und erst 1987 ermöglichten die Umstände mir die Prüfung in Nürnberg zum Geigenbaumeister (spez. Fach Bogenbau) – ebenfalls mit Auszeichnung. Für meine Bögen erhielt ich bei nationalen und internationalen Wettbewerben Auszeichnungen in Gold, Silber und Bronze.

Auf Reisen nach Brasilien erforschte ich das wertvolle Fernambukholz für den Bedarf unseres Familienholzlagers, Reisen nach USA, Frankreich und England vertieften freundschaftlichen Kontakt zu Kollegen und Musikern und brachten mich in den Genuss, wertvolle Sammlungen der schönsten Bögen weltweit zu hören, zu sehen und zu studieren.

Seit 1988 betreibe ich mit meiner Frau Martina, ebenfalls im Bogenbau ausgebildet, eine eigene Werkstatt für Bogenbau und Reparatur in Freiburg im Breisgau und – wer weiß – vielleicht höre auch ich bald von Ihnen einen Ton?

Über Frösche und mongolische Hengste

Behaarung

In der Regel legen Streicher - über die sorgfältige Wahl des Instruments hinaus – großes Augenmerk auf die Pflege ihres Bogens. Schließlich hat er erheblichen Einfluss auf die Klangentwicklung des Instruments.

So sollte ein Bogen gewissenhaft kolophoniert und nach jedem Spiel entspannt werden, und je nach Spieldauer und -intensität sollten die Bogenhaare ein- bis zweimal im Jahr ersetzt werden. Hierzu verwende ich nur ausgesuchtes ungebleichtes Hengsthaar aus verschiedenen Klimaregionen, das vor der Verarbeitung sorgsam sortiert und gereinigt wird.

Da das Beziehen von Bögen zu meiner täglichen Arbeit gehört, ist eine kurzfristige Behaarung garantiert und nach Absprache manchmal auch an einem Tag möglich. Im Zuge der Behaarung wird Ihr Bogen komplett durchgeprüft, gereinigt, eingestellt und spielfertig übergeben.

Sollte es Ihnen aus Entfernungsgründen nicht möglich sein, persönlich zu mir in die Werkstatt zu kommen, so können Sie mir Ihren Bogen nach telefonischer Absprache auch auf dem Postweg zusenden. Das funktioniert erfahrungsgemäß problemlos. Auf sorgfältige Verpackung ist bitte zu achten.

Reparatur und Restaurierung

Ein Bogen erzählt vieles über seinen Spieler. Er ist dessen verlängerter Arm und Ausdruck seiner musikalischer Individualität. Gute Reparaturen und Restaurierungen respektieren das.

So geht es mir nicht nur um die Behebung von funktionalen Schäden, wie zum Beispiel gebrochener Bogenstangen, Kopfplatten ersetzen, Spannsystem optimieren – es geht auch um die getreue Wiederherstellung durch Froschkopien oder Stangenbiegungen – und nicht zuletzt um Wertewahrung durch vorbeugende Konservierung. Immer mit dem Ziel, den Facettenreichtum des Klangbilds Ihres Instruments möglichst originalgetreu zu bewahren.

Dazu wird Ihr Bogen erst eingehend untersucht und dann kläre ich mit Ihnen gemeinsam, welche notwendigen Schritte gewünscht und vorgenommen werden sollen. Nicht alles, was machbar ist, ist auch sinnvoll – jeder Eingriff soll schließlich dem Wert des Bogens entsprechen.

Es ist mir ein Anliegen, dass Sie ihren Bogen schnellstmöglich wieder spielen können. Sollte es einmal länger dauern, kann ich Ihnen einen Ersatzbogen zur Verfügung stellen.

170 Haare für die Violine

Vom anspruchsvollen Schülerbogen bis zum professionellen Solistenbogen – in meiner Werkstatt stelle ich Bögen für Violine, Viola und Cello nur in reiner Handarbeit her.

Inspiriert werde ich dabei durch mein umfangreiches Archiv an Aufzeichnungen und Fotos von alten bedeutenden Bogen – auch ein besonders schöner Bogen, der gerade zur Restauration in meiner Werkstatt weilt, kann der Freude schöner Götterfunken sein.

Darüber hinaus arbeite ich nach Modellvorlagen französischer Bogen von Tourte, Peccatte, Simon oder Voirin, oder nach den Meistern des alten deutschen Bogenbaus – hier seien Knopf, Bausch und Süss genannt. Detailgetreue Kopien von außergewöhnlichen Bögen oder vorgelegten Violin-, Viola-, Cello- und Barock- und Klassikbogen runden mein Schaffensspektrum ab.

Doch nicht nur die äußere Form des Bogens, sondern seine „inneren Werte“ entscheiden über Spiel- und Klangeigenschaften. Denn jeder Bogen hat seinen eigenen Klang, den er mit dem gespielten Instrument erzeugt. Im Umkehrschluss passt aber nicht jeder Bogen zu jedem Instrument – und nicht zu jedem Musiker.

Musiker, Instrument und Bogen müssen eine perfekte Einheit bilden. Und so ist auch mein Wille zur Perfektion begründet, diesem hohen Ideal durch meisterliches Handwerk und perfekte Werkstoffe gerecht zu werden.

Für die Bogenstange verwende ich Fernambukholz aus einem Holzlager, das bereits von meinem Großvater angelegt wurde und seit über 60 Jahren gepflegt wird. Jede von mir erstellte Bogenstange ist mindestens 20 -40 Jahre abgelagert und ein Garant für höchste Qualität und Haltbarkeit.

Ein Bogen besteht in seiner Grundkonstruktion aus der Stange mit ihrer ausgeprägten Spitze, der Behaarung aus Rosshaar und dem Frosch als Spannelement für die Behaarung. Der beste Bogen funktioniert nicht mit schlechter oder abgespielter Behaarung. Während ein Violinbogen bei vollständiger Behaarung circa 170 Bogenhaare besitzt, können das bei einem Bassbogen leicht schon mal 300 Haare sein. Sie übertragen die Feinheiten und Spielchen wie Saitenwechsel, Springbogen, Artikulation des Tons.

Die Gradwanderung zwischen Klangergebnis und Klangerlebnis ist also im wahrsten Sinne des Wortes eine haarige Angelegenheit...

Was Gold wert ist,
muss nicht teuer sein

Bögen für Violine, Viola und Cello sind nicht nur Mittel zum Zweck – für den einen sind sie emotional von Bedeutung, für den anderen Sachgegenstände oder gar Antiquitäten mit hohem Wert.

Um diesen Wert bestimmen zu können, braucht es Erfahrung und Fachwissen. Unter Vorlage Ihres Bogens biete ich Ihnen meine Beratung, Begutachtung und Expertise für Versicherungs- und Schadensgutachten ebenso wie Einschätzungen zu gänzlich unterschiedlichen Fragestellungen.

Wenn Sie also einen Bogen besitzen, eine Restauration planen oder einen neuen Bogen kaufen möchten, ich berate Sie gerne!

Galerie

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Behaarungen

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Biegearbeit

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Großes Kopfzerbrechen

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Behaarung

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An der Werkbank

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Neubau

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Cello

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Gold & Bernstein

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Violin

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Modell Vuillaume

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Viola

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Modell Vuillaume

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Kontakt

Geöffnet

Di - Fr: 10 - 12 & 14 - 18 Uhr
und nach Vereinbarung

Termine

Tel. +49 (0)761 474 522
seifert@bogenbau-freiburg.de

Adresse

Schönbergstraße 1
79115 Freiburg i. Br.

ÖPNV

Straßenbahnlinie 5,
Haltestelle "Pressehaus"

VDGB
EILA
IPCI

Unser Holz ist registriert und
wir setzen uns für den Erhalt und die Wiederaufforstung des Fernambukholzes in Brasilien ein.